Während meiner Educational Tour im Februar 2018 besuchte ich mit der Agentur Hata Angu Cultural Tours das Township Mondesa in Swakopmund.

Dort traf ich die Herero Dame Gloria Zatjirua, die das Day Care Center and pre-primary school Ngaturihonge leitet.

Ich war tief von Glorias Stärke und Engagement beeindruckt und versprach ihr, zu helfen.

Gloria benötigt vor allem Kinderkleidung und bat um Spenden für die Erweiterung und Einfriedung ihres Hauses.

Die Vorschule von Gloria wird in privater Initiative und mit einfachsten Mitteln betrieben aber sieht sehr ansprechend und afrikanisch bunt aus.

Nachdem ich ein halbes Jahr lang ordentlich die Werbetrommel für dieses Projekt gerührt habe, fahre ich im September erst einmal mit einem zusätzlichen Koffer voller gut erhaltener Kinderkleidung sowie mit Spendengeldern wieder nach Namibia.

Dort treffe ich Gloria in Mondesa und bin gespannt, was sie sagt und wie sie die Sachen verteilt.

Unterstützt werde ich hierbei von Hata Angu, die ebenfalls neben der Agenturtätigkeit ehrenamtlich in Mondesa tätig sind.

Ich werde demnächst also an dieser Stelle berichten, wie alles abgelaufen ist und wie die weitere Spendenaktion aussieht, schließlich steht die nächste Reise im Februar 2019 bereits und die Unterstützung soll möglichst fortlaufend sein.

Derzeit bin ich auch auf der Suche nach einer günstigen Transportmöglichkeit von Deutschland nach Namibia um in größeren Mengen Kleidung und Spielzeug zu verschicken.

Hoffen wir, dass dieses Vorhaben klappt, es wäre wundervoll ein oder zweimal pro Jahr die Kids von Mondesa zu unterstützen.

 

6. September 2018

Wir sitzen auf Kinderstühlen in einer Wellblechhütte des Ngaturihonge Day Care Centers in Mondesa, einem der beiden Townships in Swakopmund/Namibia.

Der Wind pfeift unbarmherzig und eiskalt durch die Ritzen der Hütte, der Lärm des klappernden Blechs lässt uns kaum Gloria Zatjiruas Stimme hören, die Stimme einer stolzen Herero Dame die Ngaturihonge vor 5 Jahren ins Leben gerufen hat.

 

Das Day Care Center ist sehr einfach ausgestattet aber voller bunter Bilder, die Kinder werden in mehreren Sprachen unterrichtet (englisch, afrikaans und in ihren Stammessprachen) und liebevoll betreut. Sie bekommen hier ebenfalls ihr Essen, entweder mitgebracht oder von Gloria gekocht. Es riecht sehr angenehm und warm nach Suppe als wir durch die Küche in eins der weiteren Zimmer gehen, wo sich die Kids mittags zum Schlafen auf zwei alte Matratzen legen können. Einige Kinder sitzen beieinander und essen etwas, schauen uns mit neugierigen Augen an. In einem Nebenraum hocken Kinder auf dem Boden und machen ihre Hausaufgaben.

 

Ich komme dieses Mal nicht mit leeren Händen, sondern möchte mein Versprechen zu helfen, einlösen.

Im Kollegen-, Freundes- und Bekanntenkreis habe ich Spenden gesammelt, es sind stolze 850,- Euro zusammengekommen, die ich in Namib Dollar umgetauscht, Gloria schnell zustecke als es keiner mitbekommt. Ich möchte nicht, dass sie Gefahr läuft, bestohlen zu werden und der Umschlag mit dem Geld verschwindet blitzschnell im ausladenden Dekolleté ihrer wunderschönen Hererotracht.

  

Einen zusätzlichen Koffer mit Kinderkleidung habe ich ebenfalls mitgebracht, gespendet von lieben Kollegen und Freunden und die Kinder kommen freudig angelaufen und bedanken sich für die schönen Sachen.

Gloria erklärt mir noch ihr Bauvorhaben. Erst einmal möchte sie eine Einfriedung ihres Grundstückes errichten, damit die Kids nicht auf die Straße laufen. Als nächstes steht der Bau von zwei Garagen an, die sie als Unterrichtsräume nutzen möchte damit sie ihre Privaträume wieder für ihre Familie behalten kann. Derzeit schläft sie mit ihrer Familie in den Klassenräumen und muss jeden Morgen alles umorganisieren, damit die Kinder kommen können.

 

Wir verabschieden uns sehr herzlich von ihr, sie fragt, ob sie mir einen huggy geben darf und ich freue mich, sie in die Arme nehmen zu dürfen. Mit dem Versprechen, im Februar wiederzukommen fahren wir zu unserem zweiten Besuch.

Er führt uns auf den Sportplatz des Townships wo uns bereits Raymond, einer der ehrenamtlichen Trainer, erwartet.

 

Es gibt mehrere Fußballplätze und auf allen Feldern spielen Kinder verschiedener Altersklassen und dribbeln wie kleine Fußballkönige über den Platz. Manche in Trikots, manche barfuß, manche in dicken Sweatern denn auch hier bläst der kalte Atlantikwind heftig über das Spielfeld.

Raymond plaudert ein wenig mit uns während er die kleine Meute anfeuert bis sie schließlich zu uns kommen dürfen. Ich öffne meinen Koffer und die Kids fallen über die schönen Fußballtrikots her, die Maike Kolbecher mir netterweise mitgegeben hat.

 

Bevor ein Streit entsteht, wer das beste Trikot bekommt, schreitet Raymond ein und entscheidet, dass der Mannschaftskapitän ein Trikot anziehen darf, es dann aber wieder in den Koffer legt und die Kleidung später unter den Kindern aufgeteilt wird. Die Kids sind einverstanden, der Mannschaftskapitän streift sich stolz das viel zu große Trikot über und ist für kurze Zeit Ronaldo, so steht es zumindest auf dem Rücken des Shirts.

 

Ich bespreche mit Raymond, mich zu Hause an die heimischen Bundesligavereine zu wenden mit der Bitte um Trikotspenden und vielleicht hat der ein oder andere Verein auch Interesse, einen Talent Scout nach Namibia zu schicken. Einen Versuch ist es wert.

Als wir zum Auto zurückgehen und uns von den Kids verabschieden, raunt mir ein kleiner Fußballspieler zu, wenn ich demnächst komme, möchte er auch gerne ein Ronaldo Trikot haben.

Die Kids winken uns noch zu und wir fahren glücklich zurück nach Swakopmund ins Zentrum, wo man nicht erahnt, dass sich am Rand der Stadt mit Ausläufern in die karge Namib Wüste zwei große Townships mit mehr als 50.000 Menschen befinden.

  

Im Februar 2019 reise ich zum 8. Mal nach Namibia, dieses Mal mit  Kolleginnen, werde bis dahin wieder Spenden für Gloria sammeln damit sie ihre Bauvorhaben umsetzen kann und auch wieder Kinderkleidung mitnehmen.

 

Gloria schreibt in ihrer letzten Email:

 

„Thanks to put us in your heart and that my work means a lot to you and the world. May the mighty God be with you always in your ways. You do something special in my heart and I will never forget you.  Thanks to all your colleagues, partners and who was part of helping hands. Thanks to surprise me and I will surprise you back, with love from Gloria and the school”

 

 

Februar 2019

Wieder bin ich mit einer Reisegruppe unterwegs in Namibia und wir haben verabredet, Gloria und Raymond während unseres Aufenthaltes in Swakopmund zu treffen.

Die Gäste sind schon ganz gespannt darauf, die Herero Dame zu treffen und freuen sich riesig auf den gemeinsamen Abend.

Da unser Rundreiseprogramm wenig Luft für eine Township Tour lässt, habe ich Gloria und Raymond zum Abendessen in ein Restaurant in der Nähe unserer Unterkunft eingeladen.

Raymond holt Gloria ab, da er ein Auto besitzt.

 

Wir sitzen abends im Restaurant The Old Steamer und warten auf unseren Ehrengast. Nachdem ich beim Pförtner der Anlage sichergestellt habe, dass Gloria zu unserer Gruppe gehört, nehmen wir an der langen Tafel Platz und warten.

Schließlich erscheint Gloria, wunderschön herausgeputzt in einem traumhaften Kleid der Herero Frauen. Wir begrüßen uns unter großem Hallo und sehr herzlich und die Gäste im Restaurant staunen als sie den Raum betritt.

Wie eine Königin schreitet sie zu ihrem Platz am Kopf der Tafel, Raymond sitzt neben ihr und wir bestellen die Getränke. Gloria trinkt mit uns ein Glas Rotwein und genießt jeden Tropfen. Der Kellner hat ihr einen besonders schönen Glaskelch hingestellt,alles passt so gut zu ihrem stolzen Erscheinungsbild.

Die Unterhaltung beginnt und bald schnattert die Gruppe munter durcheinander, es werden viele Fragen gestellt, zur Tradition der Herero, zu ihrem Day Care Center und der Arbeit im Township.

Da wir alle hungrig sind, gehen wir zum Buffet und Gloria lässt sich geduldig vom Koch jede Speise erklären und kostet von allem etwas. Zurück am Tisch genießt sie sichtlich ihr Essen und erzählt mir, dass dies ihr erster Besuch in einem Restaurant sei. Ich bin etwas beschämt, damit hatte ich nicht gerechnet aber ich freue mich, dass es ihr gut schmeckt und sie bei uns sitzt.

Meine Mitreisenden nehmen die Gelegenheit wahr, in Ruhe mit ihr zu reden und wir sind schließlich die Letzten im Restaurant, haben so viel Spaß zusammen und freuen uns über diesen tollen Abend.

Nachdem wir gezahlt haben, gehen wir noch gemeinsam rüber zum Hotel wo wir die Koffer mit der Kinderkleidung und den Fußballtrikots deponiert haben.

 

Wir sind schon leicht angeheitert und Kerstin fragt Gloria, ob sie uns verrät, was sie unter dem ausgestellten Rock der Herero Tracht trägt.

Gloria kichert, nimmt uns beiseite, hebt ihren Rock und zum Vorschein kommen zig Unterröcke, die das Kleid unglaublich weit ausstellen. Sie meint nur: "now you know a girls secret" und lässt lachend wieder alles fallen. Wir giggeln vor uns hin, der Wein tut sein Übriges und erreichen unsere Unterkunft. Unterwegs habe ich ihr das gesammelte Geld (wieder ca. 800 Euro) zugesteckt, selbes Procedere, ab ins Dekolletee damit und die Freude steht ihr ins Gesicht geschrieben.

Wir übergeben die Koffer mit der Kinderkleidung an Raymond, der sie ins Auto packt und am nächsten Tag im Township verteilen kann.

Leider müssen wir uns jetzt von Gloria verabschieden aber wir versprechen, uns wiederzusehen, das nächste Mal wieder bei ihr im Township.

Ich schaue in der Zwischenzeit, ob ich eine Möglichkeit finde, eine Hilfsgüterlieferung nach Namibia zu senden. Habe mittlerweile einen Kontakt in Walvisbay und Unterstützung vom Kinderhaus Leege. Zusammen sollten wir es schaffen, Kleidung etc. per Schiffscontainer nach Namibia zu senden. Es stehen bereits ca. 10 große Kartons fertig gepackt bei mir im Keller und warten darauf verschickt zu werden. Auch habe ich viele weitere Angebote, vom Kinderwagen, über Fernseher und Computer, die Freunde und Bekannte gerne abgeben um Gloria zu unterstützen.

Die Sprachnachricht, die Gloria mir am Abend noch per whatsapp zusendet, rührt mich zu Tränen und ich weiß, wir sind Freunde für immer, egal was passiert.

Juni 2019 : Nachrichten von Gloria

Da ich mit Gloria mittlerweile per whatsapp in Verbindung stehe (ja auch die moderne Kommunikationstechnik hat im Township Einzug gehalten) hier ihre aktuellen Aktivitäten:

mit dem gespendeten Geld wurden u.a. Decken und Matratzen für die Kinder gekauft sowie weitere Ziegelsteine für den Ausbau des Day Care Centers, Wände wurden gestrichen und Schulmaterial angeschafft. Ein Teil der Einfriedung des Grundstücks steht bereits in strahlendem Blau, der Rest folgt im Laufe der nächsten Monate.

Ihr größtes Projekt ist jetzt die Erweiterung des Day Care Centers um zwei kleine Gebäude/Wellblechhütten. Die Baugenehmigung liegt ihr bereits vor.

 

 

Am 15.6. findet die Holy Night (in der zu Gott gebetet wird) in der Schule statt um Geld für Stühle und Tische zu sammeln

Am 6.7. veranstaltet Gloria eine Gospelnight mit Spendensammlung 

Dann gibt es noch den Sportsday mit Competition und der Preis wird für die Schule gespendet.

Gloria ist unglaublich aktiv um Unterstützung für die Kids zu finden.

 

Ich habe mittlerweile Brillen von einer Kollegin bekommen, die ich einigen meiner Gäste, die im September nach Namibia reisen und ins Township fahren, mitgeben werde.

Leider hakt es noch immer mit dem Versand unserer Hilfsgüter aber auch hier werden wir einen Weg finden, die Leute in Namibia zu unterstützen.

Juni 2019

Ich habe die Nachricht bekommen, dass unser ehrenamtliches Projekt von seiten meiner Firma ausgewählt wurde und ich nach Berlin zum Bürgerfest des Bundespräsidenten eingeladen werde.

Da ich mit Begleitperson kommen darf, war es für mich gar keine Frage, Gloria einzuladen. Sie macht die ganze Arbeit vor Ort, ist unermüdlich im Einsatz und wir beide können parallel zu unserem gemeinsamen Projekt Frauenpower demonstrieren sowie die Freundschaft über Ländergrenzen hinweg.

Es beginnt ein ziemlicher Kraftakt bezüglich der Planung ihrer Reise. 

Gloria hat gerade einen Reisepass beantragt, bekam jedoch die Nachricht, dass es im office in Swakopmund gerade kein Papier für die Pässe gibt. Dieses kommt aus Deutschland, man könnte höchstens in Windhoek nachfragen.

Wir machen die ganze Sache etwas dringender mit einem offiziellen Invitationletter unserer Firma und dem Vermerk, dass Gloria beim Bundespräsidenten eingeladen ist, in der Hoffnung, dass dieses Dokument die nötige Gewichtung hinterlässt.

Zeitgleich läuft die Organisation ihres Aufenthaltes in Deutschland. Gloria möchte gerne einen Kindergarten besuchen um zu sehen, wie die Kinder hier versorgt werden und auch um Kontakte zu knüpfen.

Desweiteren hat sie angefragt, ob ihr jemand zeigen kann, wie man mit einem PC umgeht, sie möchte lernen.

Ich bin gerade dabei, dies alles zu organisieren, frage in Kindergärten nach. Ein lieber Bekannter, IT Experte, hat sich schon bereit erklärt Gloria in Sachen Internet und PC Anwendungen zu schulen und will ihr sogar einen Laptop schenken, den er noch im Fundus hat und gerade umrüstet auf englisch damit sie damit arbeiten kann.

Einen Spendenaufruf möchte ich auch noch fertig machen um ihre Reise zu bezahlen und ihr Taschengeld zu geben wenn sie hier ist. 

Ebenso steht die Organisation eines Tags der offenen Tür bei mir zu Hause an. Hier wollen wir Freunde und Bekannte zu Kaffee und Kuchen einladen die sich dann mit Gloria unterhalten können und dabei eine Spendenbox aufstellen. Es steht ja noch die Erweiterung ihres Kindergartens an, die wir gerne unterstützen.

Es wartet jede Menge Arbeit aber Gloria und ich freuen uns riesig darauf und hoffen, dass bald grünes Licht wegen des Reisepasses kommt, damit ich die Flüge und den Transfer in Namibia buchen kann.

 

Glorias Reise nach Deutschland im August 2019

Nachdem wir noch einen ziemlich nervenaufreibenden Kraftakt bezüglich der Ausstellung eines Schengen Visums hinter uns gebracht haben, war es endlich soweit.

Glorias Reise nach Deutschland stand nichts mehr im Weg, alles war gebucht und die Tage bis zum Abflug vergingen im Nu. Gloria war damit beschäftigt, alles während ihrer Abwesenheit zu organisieren und ich ebenfalls für ihren Aufenthalt hier.

 

25.8.2019

Um sieben Uhr morgens wird Gloria in Mondesa von einem Shuttle Service abgeholt. Sie fährt nach Windhoek und steigt beim Hotel Roof of Africa aus, wo sie die Stunden bis zum nächsten Transfer verbringt.

Gloria gönnt sich am Nachmittag ein Bierchen und chattet mit ihrer Familie und Freunden, sie fühlt sich etwas einsam. Ganz alleine unterwegs zu sein, das kennt sie nicht.

Während sie im Hotel sitzt, starte ich meine Tour nach Frankfurt. Ich habe mir dort ein Hotelzimmer gebucht, um  nicht am nächsten morgen so früh losfahren zu müssen.

Trotz Ferien Reiserückkehrer komme ich gut durch und bin am Spätnachmittag am Flughafen im Hotel.

Währenddessen ist Gloria zum Flughafen nach Windhoek gebracht worden, hat eingecheckt und wartet nun auf den Abflug nach Deutschland.

In einem Shop besorgt sie mir noch einen neuen Namibia Aufkleber für mein Auto, meldet sich ein letztes Mal per whatsapp und dann geht ihre große Reise los.

Ich checke noch kurz im Internet ob sie pünktlich abgeflogen ist und falle dann müde ins Bett.

 

26.8.2019

Es ist soweit. Glorias Flugzeug ist pünktlich gelandet und nun beginnt unsere spannende Zeit, die wir so lange vorbereitet haben.

Ich fahre mit dem Hotelbus zum Terminal 2 des Frankfurter Flughafens, im Gepäck ein Welcome Luftballon und viel gute Laune. Nach einer kurzen Wartezeit kommt Gloria etwas müde aber sehr glücklich im Arrival Bereich an und wir fallen uns erst einmal in die Arme.

Sie ist noch sehr aufgeregt vom ersten Flug ihres Lebens und ich muss in der Ankunftshalle Bilder machen, die ich ihrer Tochter Yvonne per Whatsapp schicke mit der Nachricht, dass sie gut angekommen ist.

Dann machen wir uns auf zum Shuttle der uns zu Terminal 1 bringt wo uns der Bus zum Hotel abholt.

Gloria staunt über die Größe des Frankfurter Flughafens. In Windhoek gibt es nur ein kleines Gebäude und zu den Flugzeugen geht man über das Rollfeld.

 

An Terminal 1 sitzen wir ziemlich lange in der Sonne bis der Hotelbus vorfährt. Gloria kann gar nicht fassen, wie viele Menschen hier mit ihrem Gepäck hin und her laufen und wie hektisch es dabei zugeht. Von wegen Hakuna Matata. Kopfschüttelnd beobachtet sie das Treiben.

Als wir im Hotel ankommen, macht sie sich erst einmal in meinem Zimmer frisch und dann gehen wir in Ruhe frühstücken. Ein Kaffee tut jetzt gut und wir schwatzen dabei schon aufgeregt miteinander.

Schließlich treten wir unsere Fahrt nach Neuss an. Ich muss noch tanken und Gloria wird vom ersten Kulturschock getroffen als ich aussteige und mein Auto mit Benzin befülle. Diese Geschichte wird sie in den kommenden Wochen jedem erzählen, den sie trifft. Self Service gibt es nicht an Namibias Tankstellen, dort ist der Kunde noch König und die Menschen verdienen sich ein wenig Geld an den Tanksäulen. Hier wird auch noch die Windschutzscheibe beim Tanken gesäubert und die Mitarbeiter erhalten von den Kunden ein kleines Trinkgeld. 

Mich erinnert dies immer an die 70er Jahre in Deutschland.

Als wir tanken, fährt auch gerade eine junge Frau ihr Auto in eine Waschstraße was Gloria mit einem lauten und ungläubigen "Joh Joh Joh" kommentiert. Auch das gibt es in Namibia nicht.

Mir schwant langsam, dass sie in einer ihr völlig fremden Welt gelandet ist und ich bin gespannt, was noch kommt.

Auf der Autobahn geht es dann auch direkt weiter. So viele Autos, eine so gut ausgebaute Straße und rechts und links sehr viel Grün, unfassbar. Das Handy wird alsbald gezückt und die ersten Videos gedreht mit Kommentaren auf Herero. 

Parallel zur Autobahn sieht sie die Bahntrasse und einen vorbeirasenden ICE, der jenseits ihrer Vorstellungskraft liegt.

 

Nach zwei Stunden Staunen und der immer währenden Wiederholung, dass hier alles anders ist, kommen wir bei mir zu Hause an. Dort erst einmal die Frage, ob ich in einer so großen Wohnung alleine wohne.

Ich zeige ihr mein Schlafzimmer, das für die nächsten Wochen ihr eigener Rückzugsraum ist und Gloria ist begeistert. Auch jubelt sie über das Badezimmer und duscht abends erst einmal ganz ausgiebig. 

Dann grillen wir auf der Terrasse und sie genießt das leckere Fleisch, fast wie zu Hause.

Nach einem kurzen Bier-Tasting steht fest: Gloria liebt Kölsch und wird es in den kommenden zwei Wochen auch immer wieder trinken.

Nach einem langen Tag ziehen wir uns beide zurück. Ich mache es mir im Wohnzimmer gemütlich und höre Gloria noch sehr lange im Schlafzimmer mit ihrer Familie plappern, Wlan und whatsapp sei Dank.

 

27.8.2019

Wir haben herrlich geschlafen und setzen uns zum Frühstück auf die Terrasse. Gloria genießt den Garten und die Ruhe. In Frankfurt war ihr alles zu laut und zu hektisch, Neuss ist dagegen beschaulich und ruhig.

Nach dem Frühstück machen wir einen Spaziergang durch Rosellerheide und sie bestaunt die "roten Häuser", die Vorgärten und die sauberen Straßen. Aus der Heimat kommen laufend Nachrichten, das Handy glüht denn jeder ist neugierig und möchte wissen, wie es in Deutschland ist.

Ungläubigkeit aufgrund der Tatsache, dass hier "die Füße nie mit Sand in Berührung kommen". So ganz anders als zu Hause, selbst in Swakopmund sind nicht alle Straßen asphaltiert.

Wir schauen kurz bei Janssen vorbei wo ich ihr mein Büro zeige und sie wird dort sehr nett begrüßt.

Auch meiner Tochter statten wir einen Besuch ab und Gloria macht Bekanntschaft mit ihr und meinem Enkel.

 

Am Nachmittag startet dann der erste Punkt unseres Programms.

Ein Besuch der Neusser Kirmes. Hinein ins Getümmel und Gloria ist fasziniert. Wir schlendern händchenhaltend über die Rollmopsallee zum Kirmesplatz wo Gloria alle Fahrgeschäfte bestaunt und sich nicht vorstellen kann, wie die Leute an diesen waghalsigen Karussells Gefallen finden. Immer wieder bleiben wir kopfschüttelnd stehen, wenn eine Gruppe Menschen kreischend kopfüber und in schwindelerregender Höhe über uns hängt.

Am Ende unseres Rundgangs kommen wir an einen kleinen Stand an dem man sich auf Reiskörnern seinen Namen verewigen lassen kann.

Spontan lassen wir zwei Ketten fertigen, jeweils mit Claudia und Gloria in Miniaturschrift auf dem Reiskorn und in einen kleinen Anhänger mit Herzchen gepackt. Als Andenken an unsere gemeinsame Zeit in Deutschland.

Zurück auf der Rollmopsallee haben wir Hunger aber Gloria weiß nicht so recht was sie essen soll. Schließlich entscheidet sie sich für eine Portion Pommes mit Ketchup, ich kaufe mir ein Backfischbrötchen und wir ergattern einen Sitzplatz am Kölsch-Stand.

Von dort haben wir einen guten Blick auf die Kirmes und trinken das ein oder andere Bierchen.

Als wir zurück gehen, stellt sich gerade der Schützenzug wieder auf für die letzte Parade. Eigentlich wollten wir nach Hause aber Gloria mag die Marschmusik und wir setzen uns auf ein Mäuerchen und schauen zu.

Fast am Parkhaus angekommen, sieht sie, wie der Schützenzug zurück zur Kirmes zieht und wir sausen noch einmal los damit Gloria alles fotografieren kann.

Um 23:30 Uhr ist dann der Spuk vorbei, wir sind hundemüde aber haben jede Menge Spaß gehabt. Nur den neuen Schützenkönig haben wir leider nicht gesehen, dabei wollte Gloria ihm doch so gerne zuwinken und ihm sagen, dass sie extra aus Namibia zum Schützenfest gekommen ist.

Fasziniert war sie ebenfalls von den Kirmesbuden und meinte, das wäre Qualitätsarbeit und würde so schön aussehen, ganz anders als die Stände auf den Festen in Namibia.

 

 

28.8.2019

Am heutigen Tag haben wir ein Frühstück bei Janssen mit allen Kollegen geplant, die uns so wundervoll unterstützt haben.

Gloria macht sich chic und zieht eines ihrer selbst genähten Herero Kleider an. Am Vortag haben wir noch Zeitungen gekauft, mit dem Papier stopft sie die "Hörner" ihrer Kopfbedeckung aus.

Um halb acht geht es los, noch schnell ein Foto vor der Haustür und dem Auto gemacht und wir sind gespannt, wer kommt. Im "Blauen Salon" der Kantine ist bereits alles schön hergerichtet. Wir hängen noch unsere Flaggen auf und dann geht es los. Ca. 20 Kolleginnen und Kollegen komme uns besuchen und Gloria erzählt stolz von ihrem Day Care Center sowie über die Tradition der Herero und zeigt Bilder aus Namibia.

Es ist ein schöner Austausch und alle genießen die Begegnung mit Gloria.

Nach dem Frühstück fahren wir wieder nach Hause und warten auf Günter, der heute ein IT Training mit Gloria machen wird.

Er hat einen Laptop mitgebracht, den er auf englisch umrüsten konnte und Gloria lernt die Basics, vom Ein-und Ausschalten über Passworteingabe, Bedienen ihres Postfaches etc.

Es macht ihr sichtlich Spaß und sie schreibt sich alles ganz genau auf, damit sie zu Hause alleine mit dem Laptop arbeiten kann. Auch freut sie sich natürlich riesig, dass sie das Gerät behalten darf. Damit hatte sie nicht gerechnet.

Sie überlegt später, sich zusammen mit ihren Nachbarn einen Router zu kaufen, die Kosten zu teilen, um künftig online zu sein und etwas professioneller arbeiten zu können.

 

Als das IT Training Teil 1 beendet ist, beginnt unser Girls Day. Wir fahren zur Kosmetik, Maniküre und Pediküre ist gebucht und es macht riesig Spaß.

Nachdem wir optisch aufgewertet wurden:-) fahren wir noch ins Rheinparkcenter zu Saturn. Gloria möchte sich eine Powerbank kaufen. Wenn sie wieder zurück in Namibia ist und in ihr Heimatdorf nahe Omaruru fährt, hat sie keine Probleme mehr mit dem Aufladen ihres Handys (dort gibt es nämlich keinen Strom)

Auch stöbern wir ein wenig bei DM und sie kauft für ihre Lehrkräfte zu Hause kleine Fläschchen Parfüm als Mitbringsel.

Für eine Tasse Kaffee und ein Brötchen reicht die Zeit auch noch.

Wieder zu Hause, gehen wir abends in die Pizzeria im Ort und sitzen gemütlich bei einem Glas Wein und Pasta draußen.

Als Gloria anschließend im Bett liegt, wird wieder der ganze Tag per whatsapp Nachricht nach Namibia geschickt. Ich gewöhne mich langsam an die Geräuschkulisse und freue mich, dass ihr alles so gut gefällt.

 

 

29.8.2019

 

Nach dem Frühstück fahren wir zum Friedhof um Blumen zum Grab meines Vaters zu bringen. Er wäre am 30.8. 80 Jahre alt geworden aber wir sind ja morgen schon auf dem Weg nach Berlin und somit erledigen wir dies heute. Danach packen wir unsere Koffer für die Reise nach Berlin.

 

Am Nachmittag ist eine  Tour nach Düsseldorf geplant und ein Treffen mit Barbara, die Gloria ihre Heimatstadt zeigen möchte.

Wir fahren mittags zum Medienhafen und parken in der Tiefgarage am Zollhof. Gloria ist tief beeindruckt von der unterirdischen Garage, dies kennt sie aus Namibia nicht.

Vor den Gehry Bauten angekommen, bestaunt sie die "schiefen" Häuser. Als wir Barbara mit großem Hallo begrüßen, lässt Gloria sich erst einmal erklären, wie es möglich ist, über einer Tiefgarage so große Häuser zu bauen ohne dass alles einstürzt.

Wir begeben uns in eine ganz andere Gedankenwelt, für uns ist alles hier so selbstverständlich und erklären ihr ein wenig von Statik und Architektur.

Nicht wirklich überzeugt von unseren Ausführungen beginnen wir nach einer kurzen Fotosession unseren Weg entlang des Rheins. Es geht am WDR vorbei zum Landtag wo Gloria das Wasserspiel der Stahltreppen bewundert. Für jemanden, der aus einem so ariden Klima wie dem in Namibia kommt, ist Wasser etwas ganz Besonderes. Sie schüttelt sehr oft den Kopf darüber, dass hier das Wasser so einfach "über die Straße fließt" und als Dekoration dient, Fotos müssen wir natürlich auch machen für ihre whatsapp Community.

Nachdem wir ein Stück am Rhein entlang gegangen sind, ist sie erschöpft und wir setzen uns in ein Cafe. "Wir in Namibia laufen nicht soviel zu Fuß" :-) er ist immer wieder herrlich, der Kulturunterschied.

Vom Cafe aus haben wir einen fantastischen  Blick über den Rhein. Gloria springt auf einmal auf und düst mit dem Handy bewaffnet ans Rheinufer. Ein Frachtschiff mit Autos beladen fährt vorbei. 

In Namibia gibt es zwar im Norden auch Flüsse aber keine Schifffahrt, von den Touri-Booten und den Mokoros einmal abgesehen.

Der Rhein dagegen ist für Gloria eine kleine Sensation. Sie steht minutenlang am Ufer und schaut den Schiffen zu, kommentiert jedes einzelne und filmt noch Videos für die Daheimgebliebenen.

Schließlich gehen wir weiter und Barbara schlägt vor noch die Lambertuskirche zu besuchen. 

 

In der Kirche zünden wir Kerzen an und Gloria schluchzt und weint laut und herzzerreißend dabei.

Barbara und ich sind etwas betreten und uns laufen ebenfalls die Tränen als Gloria erzählt, dass die Kerze für ihre vor einem Jahr verstorbene Mutter ist. Gloria bedauert es sehr, dass ihre Mutter die Reise nach Deutschland ihrer Tochter nicht mehr miterlebt hat. Sie wäre so stolz auf Gloria gewesen.

Nachdem wir uns alle wieder beruhigt haben gehen wir noch ein Stück durch die Altstadt bevor sich Barbara verabschiedet und uns verspricht, bald die Fotos zu senden, die sie an diesem Tag gemacht hat.

Gloria und ich setzen unseren Rundgang fort und sitzen dann noch im Uerige draußen in der Sonne um den Tag Revue passieren zu lassen.

Ich möchte ihr gerne ein paar rheinische Spezialitäten bestellen aber die Bereitschaft, etwas Neues zu probieren ist nicht wirklich groß. 

Das das Altbier nicht unser Geschmack ist bleiben wir bei Hosen Hell und ich bestelle Schmalzbrote, Speck auf Vollkornbrot und Kartoffelsalat.

Gloria pickt sich den Speck vom Brot (Fleisch geht immer) probiert den Kartoffelsalat (mag ich nicht, ist nicht mit Mayonnaise) und das Schmalzbrot ist auch nicht ihr's.

Ich stopfe also die Reste in mich hinein, bin pappsatt und brauche kein Abendessen mehr.

Wieder zu Hause, holt Gloria sich die Pasta-Reste vom Abend zuvor aus dem Kühlschrank, packt noch verwegen einen Erdbeerquark obendrauf und isst sichtlich zufrieden "ihr" Menü.

 

 

 

 

30.8.2019

Unser großer Tag ist gekommen. Früh am morgen werden wir per Taxi abgeholt und zum Düsseldorfer Flughafen gefahren. Unterwegs ein weiteres Highlight in Sachen Straßenbau für meinen Gast aus Namibia: der Rheinufertunnel mit seinen beiden Röhren. 

Nach einer kurzen Fahrt erreichen wir den Flughafen und Gloria ist froh, dass es hier nicht so wuselig zugeht wie in Frankfurt.

Wir treffen meinen Kollegen Ralf, der ebenfalls auf dem Weg nach Berlin zum Bürgerfest ist. Gemeinsam begeben wir uns zum Security Check. Hier soll Gloria ihren Herero Hut abnehmen aber nach einer kurzen Erklärung meinerseits und dem Hinweis, dass der Hut mit gefühlten 1000 Nadeln festgesteckt ist, darf sie ihn aufbehalten und durch die Sicherheitsschleuse gehen.

Am Gate wird sie von einem österreichischen Reisegast gefragt, ob er ein Foto mit ihr machen darf. Gloria willigt stolz ein.

Dann beginnt unser Boarding und wir heben ab in den Morgenhimmel über Düsseldorf, Kurs Berlin.

 

Der Flug dauert keine 50 min und in Berlin angekommen, holen wir unsere Koffer und fahren mit dem Taxi zunächst ins Hotel am Potsdamer Platz.

Dort bekommen wir unsere Zimmer und Gloria meckert ein wenig, dass sie in der 4. Etage wohnt und ich in der 2. Etage. C'est la vie.

 

Alsbald machen wir uns auf den Weg zu den JnJ offices auf der Charlottenstraße, wo man bereits auf uns wartet. Hier findet ein sehr netter Empfang für alle ehrenamtlich tätigen JnJ Mitarbeiter und deren Begleitung statt inklusive einem Fingerfoodbuffet.

 

Als wir im Foyer sitzen und noch plaudern hat Gloria plötzlich Handy-Empfang und kann eine Live Schaltung nach Namibia starten. Die Kids in Mondesa schnattern aufgeregt durcheinander und jedes Kind begrüßt Gloria per Videoverbindung. Es ist herrlich anzuschauen, mit wie viel Freude die Kinder dabei sind und Gloria berichtet stolz von ihrer Reise in die deutsche Hauptstadt.

Am frühen Nachmittag werden wir dann per Bus zum Schloss Bellevue gebracht, wo der Empfang des Bundespräsidenten stattfindet.

Es bildet sich schnell eine lange Schlange vor dem Eingang des Schlosses und wir müssen zu Glorias Unbehagen einige Zeit anstehen. Sie tippelt von einem Fuß auf den anderen und wird ungeduldig. Schließlich fällt der Spruch " Wir Herero stehen nirgendwo an" und ich muss laut lachen. In manchen Situationen ist sie einfach der Knaller.

 

Schließlich werden wir durch die Kontrolle am Tor gewunken, durchlaufen den Security Check und gehen in Ruhe zur Treppe des Schlosses.

Vor dem Aufgang musiziert eine Gruppe Afrikaner und ich muss Gloria dort fotografieren.

Wir gehen über den roten Teppich die Treppe hinauf, durchqueren das Foyer von Bellevue und erreichen danach den großen und festlich dekorierten Schlosspark.

Am Zugang des Schlossparks haben sich viele Mitarbeiter aufgestellt, die die ankommenden Gäste mit kleinen Leckereien und Getränken versorgen.

Gloria greift überall erfreut zu und wir suchen uns ein Schattenplätzchen vor der Hauptbühne. Es ist sehr heiß geworden und wir sind froh, ein wenig auszuruhen.

Nach einer Pause setzen wir unseren Weg fort in Richtung des Johnson & Johnson Standes wo um kurz nach vier noch ein Gruppenfoto gemacht werden soll.

Während wir dort warten, sehe ich am gegenüberliegenden Stand von Lidl die Schauspielerin Uschi Glas mit ihrem Lebensgefährten stehen und ein Interview geben.

Ein Stück weiter huscht Sylvie Meis an uns vorbei. Wir sind in guter Gesellschaft.

Dann wird das Foto geschossen und wir haben Zeit, zu den anderen Ständen zu gehen. Bei Mama Afrika halten wir sofort und tauschen mit den beiden Damen Informationen aus.

Am Ende des Weges befindet sich ein kleines Spielzentrum für Kinder. Gloria ist sehr interessiert und wir schauen eine Weile zu, wie die Kids dort unterhalten werden.

In der Zwischenzeit hat Frank-Walter Steinmeier das Bürgerfest eröffnet und die ganzen Stände mit Speisen und Getränken dürfen ausschenken. Sofort bilden sich lange Schlangen. Wir ergattern Currywurst und ein Glas Weisswein und lassen es uns gut gehen.

Beim Essen kommen zwei Damen in Eiderstädter Tracht (Schleswig Holstein) neugierig an unsere Tisch und möchten wissen, wo Gloria her kommt.

Auch kommt ein Herr dazu, der sich als stellvertretender Vorsitzender des Bundeszuwanderungs-und Integrationsrates in Berlin  vorstellt. Herr Paca möchte ebenfalls gerne ein Foto mit Gloria machen lassen, er ist der "Nachbar aus Angola" und freut sich sehr, eine Namibierin zu treffen.

 

Überall werden wir angesprochen und lernen binnen kurzer Zeit sehr viele nette Leute kennen.

Schließlich entdecke ich den Bundespräsidenten an einem Stand und Gloria wittert ihre Chance auf das heiß ersehnte "Shake-Hands-Foto".

Wir warten geduldig mit einigen anderen Leuten am Stand bis uns ein Security Mitarbeiter zu sich winkt um uns mitzuteilen, wir sollen hier warten, der Bundespräsident käme gleich vorbei und dann könnten wir ein Foto machen.

Die beiden Damen aus Eiderstedt, Frau Fuchs und Frau Sass, warten ebenfalls und wir sind sehr gespannt, ob wir ein Foto mit Herrn Steinmeier bekommen.

Dann dreht sich der Bundespräsident um, steuert zunächst auf die beiden Damen aus Schleswig Holstein zu und dann ist Gloria an der Reihe. Ich habe meine Kamera im Anschlag und drücke auf den Auslöser, als die beiden sich die Hände schütteln. Leider werde ich in diesem Moment angerempelt und schneide auf dem Bild Herrn Steinmeier den Kopf halb ab.

Meinen Ruf der Entrüstung bekommt er jedoch mit und bleibt netterweise stehen bis ich das begehrte Foto im Kasten habe. Gloria strahlt, Herr Steinmeier auch, wir bedanken uns ganz herzlich und schon zieht er weiter.

 

Gloria ist happy und wir können jetzt ganz entspannt das schöne Fest genießen.

Wir setzen uns ins Gras und werden sofort von Besuchern bewirtet, die neben uns an einem Stehtisch stehen. Im Hintergrund hören wir einen finnischen Schrei Chor, Uschi Glas huscht abermals an uns vorbei und wir genießen die ganze Atmosphäre des Bürgerfestes so sehr.

Nach einigen Gläschen Sekt essen wir noch eine Kleinigkeit und gehen dann zurück zur Hauptbühne wo gerade Lena Meyer-Landrut ihre Performance beendet.

Danach tritt Klaus Lage mit der Bundeswehr Bigband auf. Wir besuchen noch die Stände Finnlands (Partnerland des Bürgerfestes) und bestaunen später am Abend nach der Abschlussrede Herrn Steinmeiers, die Illumination am Gebäude des Schlosses.

Es tritt danach eine Tanzschule auf und abschließend spielt die Big Band zum Tanz auf.

Gloria ist mittlerweile völlig k.o. und sitzt schlafenderweise auf dem Stuhl neben mir. Es war ein anstrengender aber auch wundervoller Tag und als das letzte Lied verklungen ist, mache ich Gloria wach und wir verlassen das Gelände in Richtung Taxistand.

Im Hotel angekommen, freuen wir uns beide aufs Bett und darauf, auszuschlafen.

Diesen Tag werden wir beide nie vergessen.

 

31.8.2019

Es ist herrlich, ausschlafen zu können. Ich hole Gloria zum Frühstück ab und wir lassen dabei noch einmal den gestrigen Tag Revue passieren. Heute haben wir kein großes Programm. Ich möchte mit ihr ein wenig Sightseeing per Bus machen bevor wir am Spätnachmittag wieder nach Hause fliegen.

Nach dem Frühstück checken wir aus, geben unsere Koffer ab und dann gehen wir zur nahe liegenden Haltestelle der Hopp on - Hopp off Busse. Auf dem Weg dorthin sieht Gloria einen wohnungslosen Mann auf einer Parkbank liegen. Sie ist sehr erstaunt darüber, dass es dies im reichen Deutschland gibt wo doch alle in schönen roten Häusern wohnen.

Ich erkläre ihr, dass Wohnungslosigkeit gerade in Großstädten häufig vorkommt und nicht alle Menschen in Deutschland auch unbedingt reich sind.